Manifest

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  • Kulturelle Bildung ist ein Begriff, der nicht treffend beschreibt, was Künstlerinnen und Künstler auf dem Feld der Bildung leisten. Richtig muss es heißen: Künstlerische Bildung.

  • Künstlerische Bildung orientiert sich nicht an vorgegebenen Ergebniskategorien, sondern am Bedarf des künstlerischen Prozesses.

  • Künstlerische Bildung stärkt Menschen darin, eigenständige Urteile zu bilden und eigenständige Entscheidungen zu treffen, somit stärkt sie auch die Verantwortungsfähigkeit.
    Sie fördert darüber hinaus die Selbstreflexion und mit ihr die Fähigkeit der Auseinandersetzung mit Anderem und Fremdem. Sie ruft eine Öffnung für Vielfalt hervor und ist lösungsorientiert.

  • Die Prozesse und Ergebnisse künstlerischer Vermittlungsarbeit sind über vermeintlich objektive Maßstäbe, wie z. B. Schulnoten oder wissenschaftliche Evaluationen sie darstellen, nicht beurteilbar. Sie werden, im Gegenteil, durch solche be- und verhindert.

  • Künstlerische Bildung kann nur von Menschen geleistet werden, die selbst als Künstlerinnen oder Künstler arbeiten.

  • Die derzeitige Vergütung freischaffender Künstlerinnen und Künstler in der künstlerischen Bildung ist unsittlich. Denn sie berücksichtigt weder die Einkommenssteuer, noch die Sozialversicherung, angemessene Vor- und Nachbereitungs- oder Besprechungszeiten und ebenso wenig anfallende Fahrt und Unterbringungskosten.

  • Der Vergleich zwischen Angeboten von Sportvereinen und solchen der Künstlerischen Bildung ist nicht zielführend. Beide Bereiche sind geprägt von grundlegend unterschiedlichen Gelingensbedingungen, Formaten und Strukturen.

  • Künstlerinnen und Künstler ersetzen keine Lehrerinnen und Lehrer. Künstlerische Bildung ersetzt keine intelligente Bildungspolitik. Sie muss allerdings einer ihrer zentralen Bestandteile sein.

  • Künstlerische Bildung scheitert ohne die Entschlossenheit, sie zu ermöglichen und in die Tat umzusetzen. Sie braucht keine Lippenbekenntnisse, sondern sie ist angewiesen auf die tatkräftige und verbindliche Umsetzung durch alle Beteiligten.

  • Künstlerische Bildung gelingt nur, wenn allen an ihr Beteiligten der für sie jeweils erforderliche zeitliche Rahmen eingeräumt wird. Dieses Spielfeld muss durch den schöpferischen Prozess strukturiert sein. Äußere Zwänge und Erwartungen wirken entgegensetzt der künstlerischen Absicht.